Kontrollgruppen-Studie

Die Studie:

Im Fokus des Grundschulprogramms Eigenständig werden stehen die Förderung von Lebenskompetenzen sowie die Vorbeugung risikoreicher Verhaltensweisen wie z. B. Substanzkonsum und Gewalt. Um zu überprüfen, inwieweit Eigenständig werden diese Ziele erreicht, wurde in den Schuljahren 2001/02 bis 2004/05 in Sachsen eine Kontrollgruppenstudie realisiert. Klassen, in denen das Programm Eigenständig werden umgesetzt wurde (Interventionsgruppe), wurden mit Klassen verglichen, in denen über den gleichen Zeitraum „lediglich“ der normale Unterricht stattfand (Kontrollgruppe).

Die Daten der Studie wurden in der Fachzeitschrift „Health Education Research“ veröffentlicht. Es wurde untersucht, inwieweit sich Klassen der Interventionsgruppe von Klassen der Kontrollgruppe hinsichtlich der Entwicklung von Lebenskompetenzen und Verhaltensauffälligkeiten unterscheiden. Lebenskompetenzen gelten als Schutzfaktoren, Verhaltensauffälligkeiten in der Kindheit als Risikofaktoren und Vorläufer jugendlichen Risikoverhaltens und stellen daher ein lohnenswertes Ziel von Präventionsarbeit dar.

Die Bewertung der Unterrichtseinheiten durch die Lehrkräfte:

Insgesamt stießen die Unterrichteinheiten bei den Lehrkräften der Interventionsgruppe auf große Zustimmung. Die Zielsetzung der jeweiligen Unterrichtseinheiten wurde in 73,1% der Beurteilungen als sehr gut beurteilt. Die Altersangemessenheit und die Praktikabilität sowie das Zusatzmaterial wurden jeweils in der Mehrheit als sehr gut beurteilt.

Die Durchführung:

Zur Erfassung der Lebenskompetenzen und Verhaltensauffälligkeiten wurden die Lehrkräfte zu fünf Messzeitpunkten (Beginn des ersten Schuljahres und jeweils am Ende des ersten bis vierten Schuljahres) zu dem Verhalten ihrer Schüler befragt. Dazu wurde den Lehrkräften eine Liste mit konkreten Verhaltensweisen vorgelegt, deren Auftreten sie hinsichtlich der Häufigkeit und der Intensität für jeden einzelnen Schüler bewerten sollten.

Beispiele für erfragte Lebenskompetenzen sind u. a. sozial verantwortungsvolles Verhalten, Selbstbehauptung und konstruktives Problemverhalten. Die untersuchten Verhaltensauffälligkeiten umfassten u. a. Minderwertigkeitsgefühle, Kontaktprobleme, aggressives Verhalten gegenüber Klassenkameraden und Ungehorsam. Die vergebenen Werte für die abgefragten Lebenskompetenzen und Verhaltensauffälligkeiten wurden jeweils zu einem Gesamtwert für jedes Kind zusammengefasst.

Die Ergebnisse:

Am Ende des vierten Schuljahres lagen für insgesamt für 919 Schülern (333 aus der Interventions- und 586 aus der Kontrollgruppe) aus 50 Grundschulen auswertbare Daten vor. Bezüglich der Entwicklung von Lebenskompetenzen konnten keine Unterschiede zwischen der Interventions- und Kontrollgruppe gefunden werden konnten: Beide Gruppen entwickelten sich über die Zeit gleichermaßen positiv. Dahingegen nahmen die Verhaltensauffälligkeiten in der Interventions- im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich stärker ab.

Die Schlussfolgerung:

Die Umsetzung von Lebenskompetenzprogrammen bereits in der Grundschule erweist sich als vielversprechende Strategie zur Prävention jugendlichen Risikoverhaltens wie z. B. Substanzkonsum und Gewalt. Sie können zur Reduktion von bekannten Risikofaktoren und Vorläufern dieser Verhaltenweisen – wie kindlichen Verhaltensauffälligkeiten – beitragen.

Die Quelle:

Maruska, K., Morgenstern, M., Isensee, B. & Hanewinkel, R. (2010). Influencing antecedents of adolescent risk-taking behaviour in elementary school: results of a 4-year quasi-experimental controlled trial. Health Education Research, 25, 1021-1030.